Gestern hatte ich mal wieder meine geliebte Vorlesung „Mathe für Ökonomen“ und dort ist etwas passiert, das ich für außerordentlich bemerkenswert halte. Auch wenn die meisten meiner Kommilitonen es wohl maximal ganz lustig fanden, wenn sie sich überhaupt Gedanken darüber gemacht haben. Was war also passiert?

In der vorherigen Stunde haben wir die Kettenregel bei Ableitungen gelernt, bzw. wiederholt, ich zum Beispiel hatte die schon in der Schule. Da einige wohl dem Professor Mails geschrieben haben (ja, das geht bei uns an der FH und dann hat man sogar normalerweise innerhalb von 24 Stunden eine Antwort im Postfach), hatte dieser sich vorgenommen die Regel nochmal kurz zu wiederholen. Statt das aber jetzt selbst und wahrscheinlich ähnlich wie in der letzten Woche zu machen, hat sich unser (von mir sehr geschätzter) Prof. Dr. Oetztürk was einfallen lassen:

Er rief am Anfang der Stunde die Internetseite http://www.oberprima.com auf und zeigte uns dort ein Video, wo die Macher der Seite auf eine Frage eines Users hin die Kettenregel erklärten.

Hier einmal ein Ausschnitt, wie das dann bei uns im Hörsaal aussah. Nur als Beweis, die Qualität ist schlecht und der Ausschnitt viel zu kurz, um etwas mit zu bekommen:

Link: Mathe mit Internetnutzung

Oberprima.com ist eine Internetseite, die laut Eigenwerbung „kostenlose Nachhilfe in Mathematik möglich“ macht. User können ihre Fragen an die Redaktion schicken und dann wird die Antwort per Video gegeben – und das relativ leicht verständlich.

Ich finde das super. Ein Professor, der das Internet zu nutzen weiß (gut, er war wohl noch bis vor kurzem bei Vodafone und dort für Mobil Business Konzepte zuständig, oder so ähnlich), der erkennt, dass dort Wissen und Ratschläge für jedermann zur Verfügung stehen und der das nicht verteufelt, sondern nutzt. Man könnte ja auch erwarten, dass er wenig von so einer Seite hält, immerhin wird dort kostenlos angeboten wofür er bezahlt wird. Verwunderlich wäre es auch nicht, wenn er das Niveau der Seite in Frage stellen würde oder Fehler suchen und sicher auch finden würde.

Viele Journalisten stehen seit Jahren viel massiver vor einem ähnlichem Problem (und scheinen es oft erst jetzt zu merken). Auch hier stellen Internetuser, Leserreporter, Blogger und Co ähnliche Dienste kostenlos, schnell und aktuell zur Verfügung. Nur wenige wissen dies zu nutzen, die meisten verteufeln das Internet lieber wie aktuell Daland Segler (siehe SpOn Artikel). Im Endeffekt gehen sie damit grundsätzlich auf eine Ebene mit ihren Verlegern, die keine Antwort auf das web2.0 haben – außer finanzielle Verluste mit massivem Stellenabbau zu beantworten. Positive Lichtblicke sind hier Journalisten wie Thomas Knüver, der selbst gerade mal wieder eine Änderung im Selbstverständnis der Journalisten einfordert.

Mein Dozent führt auf einem ganz anderem Gebiet vor, wie man das Internet nutzen kann:

Er baut die Inhalte ein, sortiert für die Studenten vor und gibt seinen uns damit eine weitere Möglichkeit einen Sachverhalt zu verstehen. Sehr vorbildlich wie ich finde. Bitte mehr davon Herr Öztürk!

Ach so, hier übrigens das Originalvideo zur Kettenregel – Ich hab es in der Vorlesung wesentlich besser verstanden 🙂

Link: Kettenregel e-Funktion

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