Umwelt & Klima


So, endlich bin ich es auch: Kunde bei einem „echten“ Ökostromanbieter! In Bielefeld habe ich in einem Studentenwohnheim gewohnt und musste den Strom pauschal vom Studentenwerk beziehen, da gab es keine Wahlmöglichkeit. Jetzt wohne ich bekanntlich wieder im schönen Münster und so stand für uns die Wahl eines Stromlieferanten an.

Under CC by http://www.flickr.com/photos/philippheinrich/

Under CC by PhilippHeinrich*

Wer keinen dreckigen Kohlestrom oder unverantwortlichen Atomstrom beziehen will, der kann heutzutage Strom von einem Ökostromanbieter beziehen. Den gibt es zum Teil sogar zum selben Preis wie vom örtlichen Anbieter oder sogar billiger. Bei der Auswahl gibt es jedoch einige Sachen zu beachten. Wo kommt der Strom genau her? Verändert der Konsum von Ökostrom auch wirklich den Energiemix, also den erzeugten Strom? Und wenn ich Ökostrom von einem Konzern beziehe, unterstütze ich damit nicht auch alle anderen Geschäftsfelder dieses Konzerns?

Da ich mich damit ein wenig auseinandergesetzt habe, hier ein paar Tipps:

1. Der Wechsel des Stromanbieters geht ohne Probleme und ist mit keinem Versorgungsrisiko verbunden. Sollte der neue Anbieter Lieferprobleme haben, ist der lokale Versorger (in Münster die Stadtwerke) verpflichtet dich nahtlos weiter zu versorgen. Wenn du einen Antrag an den neuen Anbieter schickst, kümmert der sich um die Kündigung bei deinem alten Versorger zum nächstmöglichen Zeitpunkt.

2. Der Strom, der aus deinen Steckdosen kommt verändert sich natürlich nicht. Oft hört man das von Kritikern: „Du kriegst doch weiterhin Atom- und Kohlestrom in deine Wohnung!“ Das stimmt. Das aktuelle deutsche Stromnetz ähnelt einem riesigem See. Du entnimmst Wasser, dafür wird an verschiedenen Stellen sauberes (Ökostrom) und dreckiges Wasser (Strom aus Kohle, Atom und Gas) eingespeist. Woher genau dein Wasser kommt, ist nicht nachvollziehbar. Allerdings ändert dein Wechsel zu Ökostrom die Qualität des gesamten Wassers (des Strommix). Denn die Menge Strom die du verbrauchst, muss dein Ökostromanbieter ins Netz einspeisen. Und Ökostrom hat Vorrang vor allen anderen Stromarten, dass heißt du änderst aktiv die Zusammensetzung des Strommix.

3. Aber Achtung: Nicht jeder Ökostromanbieter ist gleich! Im großen und ganzen gibt es drei Arten oder Modelle:

1. Das Aufpreismodell
Beim Aufpreismodell ist in Deutschland ein Auslaufmodell, hier wird weiter der selbe Strom geliefert und eingespeist. Man zahlt aber mehr Geld als vorher. Dieses Mehrgeld wird dann in Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien gesteckt. So ändert sich zwar langfristig etwas, aber hauptsächlich finanziert man damit seinem Anbieter nur die eh irgendwann anstehende Erneuerung seines Kraftwerkparks.

2. Das RECS-Zertifikate Modell
Hierbei handelt es sich um ein weit verbreitetes Modell. Viele (gerade die günstigsten) Ökostromanbieter nutzen dieses Modell. Für mich ist das aber in den meisten Fallen nur ein Fall von Greenwashing. Am Energiemix ändert sich hier so schnell nichts.
In diesem Modell verbraucht man weiter seinen Strom, der Anbieter kauft in der gleichen Menge RECS-Zertifikate, die bescheinigen, dass Ökostrom eingespeist wurde.

Was bedeutet das konkret? Nun sagen wir der Einfachheit halber du verbrauchst 100 Einheiten Strom. Jetzt kann dein Anbieter 100 Einheiten Atomstrom einspeisen und zusätzlich RECS-Zertifikate für 100 Einheiten kaufen. Die bekommt er zum Beispiel aus Skandinavien. Da gibt es schon ganz lange viele Wasserkraftwerke, die sauberen Strom produzieren. Das heißt bisher wurden 100 Einheiten Wasserstrom in Skandinavien als normaler Strom verkauft und in Deutschland 100 Einheiten Atomstrom.
Jetzt wird der Atomstrom umdeklariert und via Zertifikat zum Ökostrom. Du verbrauchst jetzt also „offiziell“ den Wasserstrom aus Skandinavien und zahlst dafür vielleicht sogar etwas mehr. Der Skandinavier verbraucht quasi deinen Atomstrom und zahlt dafür wie immer. Er bekommt normalerweise nichts davon mit. Wirkung auf den Strommix: Null. Wirkung für den Klimaschutz: Null.
Dieses System würde erst dann zu einer Verbesserung des Status Quo führen, wenn alle bisher eh schon verfügbaren Ökostromquellen „verkauft“ sind, es also nur noch Zertifikate gibt, wenn neue Anlagen gebaut werden.

Was also tun, um echten Ökostrom zu beziehen? Um wirklich was zu verändern? Nun, es hilft Strom von einem Anbieter der dritten Art zu beziehen, den

3. „echten“ Ökostromanbietern
Diese garantieren dir, genau den Strom, den du verbrauchst auch gleichzeitig als Ökostrom ins Netz einzuspeisen. Das heißt, wenn sie mehr Kunden haben, die zusammen mehr Strom verbrauchen, MÜSSEN sie neue Anlagen bauen. Gute Anbieter haben also nur gute Kraftwerke in ihrem Kraftwerkspark und erweitern diesen kontinuierlich. Wobei sie nicht alle Anlagen zwingend selbst besitzen. Normalerweise kaufen sie auch Strom von Anlagenbesitzern, wie engagierten Bürgergruppen ein. Das heißt wenn mehrere Bürger sich zusammen tun und zum Beispiel ein Windrad bauen wollen, dann werden sie unterstützt und ihnen nach Inbetriebnahme der Strom abgekauft. Auch garantieren diese „echten“ Ökostromanbieter, dass von deinem Geld ein bestimmter Betrag garantiert in die Neuanlagenförderung fließt.
So verändert sich der Strommix oder um im Bild zu bleiben: So wird das der Stromsee sauber!


Wie man so einen „echten“ oder „guten“ Ökostromanbieter erkennt? Nun man kann sich durch die Informationen der Anbieter lesen und/oder dort direkt nachfragen. Wem das zu kompliziert ist, der kann sich auch auf die Expertise der Experten der Umweltverbände verlassen. 22 Verbände, darunter der Naturschutzbund, der WWF, Greenpeace und Robin Wood, empfehlen auf der Seite www.atomausstieg-selber-machen.de genau vier Anbieter: Naturstrom, Lichtblick, Elektrizitätswerke Schönau (EWS) und Greenpeace Energy. Wobei EWS und Lichtblick teilweise auch Zertifikate nutzen, jedoch scheinbar nicht zum umdeklarieren. Mehr Infos hierzu findet ihr hier

Wir haben für uns die Preise verglichen und uns dann, auch auf Grund von zwei Empfehlungen, für Naturstrom entschieden. Seit dem 1.1.2011 ist dort sogar der Preis pro Kilowattstunde niedriger als im Grundversorgungstarif der Stadtwerke Münster! Zu Lichtblick habe ich gerade erst diese negative Erfahrung zum Thema Kundenservice im Blog von Elschy gelesen, daher hätte ich da Bedenken. Aber guckt einfach selbst, am besten mit der letzten Jahresabrechnung eures bisherigen Anbieters, welcher Versorger zu euch am besten passt. Alle vier liefern bundesweit.

Wer sich ebenfalls für Naturstrom entscheidet, kann sich gerne in den Kommentaren melden (echte Mailadresse angeben!), dann werbe ich ihn.

*Bild via Flickr von PhilippHeinrich


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So traurig das Thema ist. Ein Stück Wahrheit steckt hinter dieser gerade via Twitter und Co umhergehenden Satire: Wenn einer der Atomkraftwerksbetreier weltweit sich ähnlich fahrlässig verhält wie BP und die US-Regierung mit ihrer Genehmigung für die Bohrung, dann wird die Katastrophe im Golf von Mexiko tatsächlich vergleichsweise gering ausfallen.

In letzter Zeit ließt man ja immer häufiger, dass in Großstädten der Fahrradverkehr immer populärer wird und Städte wie London (spiegel online) oder Hamburg (zuvielekoeche) tun ja auch einiges dafür.

In New York scheint das etwas anders zu laufen. Dort wurde eine anscheinend oft genutzte Fahrradspur entfernt. Doch in New York gibt es mutige Fahrradaktivisten! Hier ihre Antwort:

Kleiner Edit: Sogar Lance Armstrong (der echte) hat das Video schon gesehen und via Twitter verbreitet:

(via buzzeins)

Der Biotrend greift ja nun schon etwas länger um sich. Limo, Spülmittel und jetzt sogar Mineralwasser. So mancher Hersteller nutzt den Namen aber auch nur um sich mal wieder im Greenwashing zu profilieren. So wird Henkels Waschmittel Terra Activ zumindest von Greenpeace kritisch gesehen. Und bei Mineralwasser stellt Ökotest die Frage: Gibt es eigentlich Bio-Mineralwasser?

Also wie so oft: Aufgepasst – nicht alles ist ökologisch sinnvoll nur weil „bio“ drauf steht und der Preis etwas höher ist.

Doch in einem, dem Deutschen sehr wichtigen, Bereich gibt es eine gute Biovariante: Beim Bier. Leider gibt es da aber nicht all zu viele Brauereien, die auf Bio setzten. Bioland listet in seinem Produktlexikon genau acht Pilsvarianten. Und siehe da: Sechs dieser acht sind nur unterschiedliche Flaschen- bzw. Fassgrößen des guten Pinkus Müller Pils aus meiner Heimatstadt Münster. Und beim Altbier, der Paradedisziplin von Pinkus gibt es gar keine Konkurrenz. Schade eigentlich. Reicht den anderen Brauereien das Reinheitsgebot als Zeichen für gesundes, natürliches Bier? Es scheint so.

Wer sich also beim Bierkauf ökologisch sinnvoll verhalten will, der achte auf zwei Grundsätze, die auch in anderen Lebensbereichen nie verkehrt sind:

1. Was aus der Region kommt hat keine langen Anfahrtswege. Daher unterstützt lieber kleine lokale Brauereien als die großen Bierkonzerne.

2. Was aus Münster kommt ist immer gut!

Daher auch kein Wunder welches Bier es im Greenpeacebüro in Hamburg gibt, wenn nach der Arbeit mal gemeinsam ein Antiatomfilm geguckt wird:

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1. RWE

Tja, wer ein scheiß Produkt wie dreckigen Strom verkauft, der kann ihn noch so toll bewerben – glaubwürdiger macht ihn auch gut und teuer gemachte Werbung nicht. Greenpeace hat den aktuellen „Riesen“-Spot nun weitergedreht… Nachzulesen in ausführlich bei Thomas Knüwers Indiskretion Ehrensache oder im Greenpeace-Blog.

2. Carrotmob in Bielefeld

Die Idee des Carrotmobs ist simpel und faszinierend. Um so besser, dass ein paar Freunde von mir und ich es hinbekommen haben den zweiten Carrotmob in Deutschland überhaupt zu organisieren. Der erste war in Berlin – der zweite ist in Bielefeld. Leider kann ich aktuell nur aus Hamburg unterstützend mitarbeiten, ich hoffe aber, dass es am Samstag in der Möhre richtig voll wird. Mehr Infos unter www.carrotmobbielefeld.de


3. Nochmal RWE

Die lustigste Geschichte des Tages kommt ebenfalls aus dem Greenpeace-Blog und wurde von Annette aus dem Telefoncenter geschrieben. Dort meldete sich ein netter Herr von RWE und wollte etwas verkaufen

Umweltprämien, Klimaschutz, Grüne Themen… das hat jetzt wohl auch Samsung als Trend ausgemacht. Und genau diese Begriffe plus eine Eisvogel zusammen in eine Anzeige geschmissen, die heute in überregionalen Tageszeitungen geschaltet war.

„Sparen Sie sich GRÜN“ steht da. Die Idee: Wer einen neuen Samsung Fernseher kauft, der bekommt von Samsung als „Umweltprämie“ für zwei Jahre den Strom für das Gerät bezahlt. Beim Kauf eines von drei Modellen erhält man die durchschnittlichen Stromkosten für zwei Jahre von Samsung (bis zu 115 Euro) so die Anzeige.

So… wer auch nur halbwegs aufpasst sollte schon gemerkt haben, dass da etwas nicht passt: Warum ist kostenloser Strom GRÜN? Was tue ich für die Umwelt, wenn ich den Strom für meine Fernsehgerät nicht mehr bezahlen muss? Und solange der Strom aus dreckigen Kohle- und gefährlichen und strahlenden Atomkraftwerken kommt ist daran gar nichts grün.

Doch Samsung liefert auch eine Erklärung: „Mit dem umweltfreundlichen LED Fernsehern von Samsung sparen sie bis zu 40% Strom.

Ah, ok! Ich spare 40%! Das ist klasse! Ich soll mir also ein sparsameres Gerät kaufen und dann verbrauche ich nicht nur weniger als vorher, sondern spare auch noch die Stromkosten. Das wäre ja irgendwie sinnvoll. Doch nirgendwo steht zu welchem Ausgangswert die 40% Einsparung steht. Zu meinem alten Fernseher? Woher weiß Samsung, was ich bisher verbraucht habe? Verbraucht so ein großer Flachbild-TV wirklich weniger als mein relativ neuer Mini-Fernseher? Und wenn ich bisher gar keinen Fernseher hatte? Spätestens dann verbrauche ich jetzt wesentlich mehr Strom als vorher und bezahle dafür nichts. Ich kriege die „Umweltprämie“ aber trotzdem. Wo ist das GRÜN?

Hier übrigens die Anzeige (abfotografiert mit meiner Kamera in der schlecht beleuchteten Praktikantenunterkunft in HH-Wilhelmsburg *g*):

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Ich denke, dass in dieser Anzeige einiges nicht passt dürfte auch den meisten Lesern auffallen. Wenn die Leute zuschlagen, dann weil sie Geld sparen und sich eh einen neuen Flachbildfernseher kaufen wollten. Die Chance, dass ernsthaft jemand jetzt einen Samsung kauft und dabei denkt die Umwelt zu retten, halte ich für gleich Null. Wenn man dann die Kosten für eine Farbschaltung in einer überregionalen Tageszeitung mit bedenkt, dann kann man nur sagen: Da war Samsung aber schlecht beraten. Da hätte man die Headline zehn mal besser nutzen können. Ach und in welchem Zusammenhang da dann noch ein Eisvogel mit durchs Bild flattert ist auch unverständlich.

Mission Greenwashing: Failed!

Zur Zeit bin ich ja für ein Praktikum in Hamburg – Hamburg? Geil! So reagiert fast jeder.

Aber warum? Nun ja, ich war schon ein paar mal zum Fußball da (noch nie beim HSV, noch nie in einem Heimblock) und hab mal ein langes Wochenende da verbracht… Das war alles echt gut. Aber das können einige Städte.

Doch jetzt wohne ich hier zwei Monate. Mal sehen, wie mein Bild von der Stadt nach zwei Monaten aussieht. Nach einer Woche kann ich nur sagen: Ich bin begeistert!

Zum Beispiel…

1) …vom ÖPNV!
Ich habe in Düsseldorf gewohnt. Die Stadt ist immerhin Landeshauptstadt und auch nicht klein. Und meine Freundin hat ein halbes Jahr in Paris gelebt. Immer war es ein Problem abends noch nach Hause zu kommen. Meist wurde dann irgendwann ein Taxi geordert. Das ist hier völlig unnötig. In Hamburg fährt (am Wochenende und vor Feiertagen) einfach ALLES an öffentlichen Verkehrsmitteln weiter! Auch der kleine Linienbus, der hier in Wilhelmsburg vor meiner Tür hält, fährt die ganze Nacht durch – alle 20 Minuten. Ich sage euch: Es ist perfekt. Nie mehr gucken, wann der letzte Nachtbus fährt, kein Taxi teilen, nicht mehr um 6 Uhr in die erste Bahn des nächsten Tages torkeln und auch nie mehr mit dem Auto in die Stadt! Es fahren ja eh alle paar Minuten die U- und S-Bahnen, sowie die Busse.
In der Woche gibt es dann auch noch ein gutes Nachtbusnetz.

2) …vom Stadtrad.
Von der Bahn kennen wir „Rent a bike“, bei okobloko wurde gerade wieder das Beriner Angebot gelobt. Dieses System ist hier öffentlich gefördert worden. Die Stadt hat die Bahn beauftragt ein Stadtradnetz aufzubauen und seit heute (10.07.09) steht es. Immerhin nördlich der Elbe gibt es 67 Stationen an denen zur Zeit 700 Räder auf uns warten. Am Ende des Jahres sollen es übrigens 70 Stationen und 1000 Leetzen sein. Man kann an jeder Station ein Rad ausleihen und es dann an einer anderen wieder abgeben. Und jetzt das geniale: Dank städtischer Subventionen kann man die Fahrräder die ersten 30 Minuten kostenlos ausleihen! Danach kostet die Minute 3 Cent (mit Bahncard). Hier die komplette Preisliste:

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Ich habe das heute gleich mal getestet. Für 5 Euro, die man allerdings auch gleich als Guthaben hat, kurz auf www.stadtradhamburg.de anmelden und los geht’s. Zur Station alter Fischmarkt, mit EC-, Kreditkarte oder Handy identifizieren, Freischaltcode bekommen und ab dafür. Rüber zu den Landungsbrücken geradelt (leider durch den Regen, aber welchen Münsteraner juckt sowas?) und da wieder abgestellt:

Wieder nen Code eingeben und das war es dann. 12 Minuten = Null Euro.

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So müssen heutzutage (Groß-)Städte aussehen: Rund um die Uhr ÖPNV, freie Fahrräder für kurze Strecken und möglichst billige Sozial- und Monatstickets (gut da kann Hamburg noch was machen)!

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